Bildquelle: Eschweiler Filmpost
Pastor Müllenborn hat Eschweiler bewegt – weil er die Menschen in Eschweiler bewegt hat.
Und wenn alle ihre Geschichten und Anekdoten erzählen wollten, wie er sie bewegt, berührt oder verändert hat, dann bräuchte es vermutlich Tage und Abende und etliche Lagerfeuer, und wir wären noch nicht annähernd fertig mit all unseren Erzählungen.
Heute stehe ich ein letztes Mal hier und blicke im Dank und im Abschied zurück auf ihn.
Mein Leben hat er zum ersten Mal bewegt mit einem einzigen Anruf, der mich irgendwann im ersten Halbjahr 1999 in Mainz erreicht hat.
Neben vielem, was Sie wissen und was heute erzählt wurde, war Peter Müllenborn auch Vorstand des HSJ, oder wie es damals hieß: des Kinderheims St. Josef.
Er wollte Geistlicher werden und erbte mit dieser Rolle das Management eines Kinderheimes und eines Krankenhauses.
Und was für ein Manager er war.
Mit Weitblick, mit Ideenreichtum, oft visionär (vor etlichen Jahren schon sagte er auf seine bestimmte, bestimmende, knappe Art: gründet doch einfach eine Stiftung, übergebt der das Heim und das Hospital, und fertig…)
Und es sollte viele Jahre später genau so kommen.
Er war verfügbar und nah, und kümmerte sich um die großen wie die kleinen Anliegen.
- Er stellte eine neue und weltlich Leitung auf, als die Ordensschwerstern 1992 das Haus verließen
- Und prägte damit die Einrichtung und gleichzeitig das Leben meines Vorgängers, der 30 Jahre das Haus leitete.
- Er hatte klare Vorstellungen über die farbliche Gestaltung der Wohngruppen und der Vorhänge (weiß die Wände, gelb gesprenkelt die Vorhänge)
- Hands on würde man heute sagen
- Nachdem der Auszug schon eigentlich gekippt war, entschied der Bäcker in ihm, dass wir mit einer Wohngruppe nach Aachen ziehen durften, weil im Klostergarten ein alter Brotbackofen stand. Und wohlgemerkt, nicht die klösterliche Vergangenheit gab Ausschlag, sondern der Brotbackofen.
- Er war unser Träger und das empfanden wir immer genau so: er trug uns
- Und als wir vor etlichen Jahren eine damals neuartige Gruppe eröffneten, fuhr er mit uns durch NRW und besichtigte ähnliche Konzepte.
- Und ich weiss nicht, ob jemand unter Ihnen mit ihm jemals Auto gefahren ist. Mit soviel Schnitt und Schneid konnte nur ein Mann Gottes fahren – und ich habe an seiner Seite nie mehr gebetet als auf diesen Autobahnfahrten.
Peter Müllenborn hat seinerzeit an unserem immer noch gültigen Leitbild mitgearbeitet und den Leitspruch geprägt:
„Weil Du in meinen Augen kostbar bist und wertvoll, und weil ich Dich liebe“.
Und auch wenn es in unserem Miteinander manchmal unterschiedliche und scheinbar unvereinbare Meinungen und Ideen zu Lösungen gab, ließ es uns die immer spüren: „Weil Du in meinen Augen kostbar bist und wertvoll, und weil ich Dich liebe“.
Wir haben ihn nach seinem Ausscheiden aus der Pfarre schmerzlich vermisst. Aber er war verbunden und blieb in Verbindung.
Es gab Zwetschenkuchen in der Eifel, Abendessen in seinem späteren Domizil in Aachen und er hängte bei gemeinsamen Wanderungen mehr als einmal den gut 20 Jahre jüngeren ehemaligen Leiter unseres Hausers ab.
Sein Ausscheiden damals war schmerzlich.
Sein Tod schmerzt erneut – weil er so besonders war, so verbunden und verbindlich, so loyal und prägend.
Jeder und jede hat ihm etwas zu verdanken.
In diesem wegweisenden Anruf, der mich damals in Mainz erreichte teilte er mir mit, dass er sich freut mir mitzuteilen, dass ich die Stelle im damaligen Kinderheim antreten kann.
So hat er mich vor 27 Jahren nach Eschweiler geholt.
Was wäre mein Leben ohne ihn wohl geworden.
Was wäre ihr Leben ohne ihn wohl geworden.
Wir nehmen dankbar Abschied.
Robert Wagner
Geschäftsführer der Haus St. Josef gGmbH